Vorkötter: "Berliner Zeitung" wurde "ausgequetscht wie eine Zitrone"
Der neue Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Uwe Vorkötter, hat den vorherigen Eigentümer des Blattes, den Finanzinvestor David Montgomery, scharf kritisiert. Für das Blatt seien es "drei verlorene Jahre gewesen", sagte er dem Hamburger Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. Vorkötter war vor dem Einstieg von Montgomery bereits Chefredakteur der Zeitung gewesen. Die Zeitung habe gut 15 000 Auflage verloren. Technische Investitionen, die dringend notwendig waren, seien unterblieben. Das ganze Zukunftsfeld Internet sei entgegen allen Ankündigungen unbearbeitet geblieben. Wichtige Autoren seien abgewandert. Das Haus sei "geschwächt, aber nicht gebeugt". Montgomery habe "dieses Haus ausgequetscht wie eine Zitrone. Nichts war nachhaltig. Jeder Euro, der hier in die Kasse kam, wurde in britische Pfund umgewandelt und abgezogen. Montgomery hat völlig illusorische Pläne in die Welt gesetzt. Da wurden Dutzende Beschäftige aus den Budgets einfach eliminiert - in der Erwartung, die irgendwann loszuwerden, ohne auch nur den Hauch eines Konzepts dafür zu haben. Alles, was hier für 2009 geplant worden ist, kann man einfach in den Papierkorb werfen. Das ist völlig irreal - selbst wenn es keine Wirtschaftskrise gäbe". Über die geplante Kooperation der "Frankfurter Rundschau" und der "Berliner Zeitung" sagte Vorkötter: "Weder in Frankfurt noch in Berlin sind Kündigungen geplant. Und wenn wir unsere Ressourcen zusammenfassen, sind wir so groß wie die ,Süddeutsche Zeitung'." Auch ein gemeinsames Hauptstadtbüro schloss Vorkötter nicht aus.