Wolfsburger IG-Metaller ließ sich Besuch in mexikanischer Strip-Bar bezahlen
Der IG Metall droht eine Affäre um Geldverschwendung innerhalb der Gewerkschaft. Der damals Zweite Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Wolfsburg, Frank Patta, ließ sich die Ausgaben in einer Table-Dance-Bar im mexikanischen Puebla von der Gewerkschaft erstatten. Patta war mit einer Gewerkschaftsdelegation im Mai 2006 zum deutsch-iberoamerikanischen gewerkschaftlichen Netzwerktreffen in Mexiko. Am 18. Mai besuchte er zusammen mit Kollegen ein Strip-Lokal. Die Rechnung über umgerechnet rund 105 Euro reichte Patta später bei der IG Metall in Wolfsburg ein. Sie wurde vom damaligen Ersten Bevollmächtigten als "sachlich richtig" abgestempelt, nachdem sich der örtliche Kassierer weigerte, sie zu unterzeichnen. Dem IG-Metall-Funktionär wird auch in weiteren Fällen Geldverschwendung vorgeworfen, beispielsweise bei der Ausstattung der Büros im neuen Wolfsburger Gewerkschaftshaus. Entsprechend der Ausschreibung erhielten die einfachen Mitarbeiter der Gewerkschaft Bürostühle für 374,85 sowie Besucherstühle für 213,01 Euro. Der inzwischen zum Ersten Bevollmächtigten aufgestiegene Patta und sein damaliger Zweiter Bevollmächtigter dagegen sollten feiner sitzen. Ihre Bürostühle kosteten jeweils 2556,64 Euro, die Besuchersessel 1621,02 Euro. Insgesamt kostete die standesgemäße Ausstattung der beiden Chefbüros 24 777 Euro. Der verantwortliche Leiter der Internen Revision der IG Metall, Erich Bach, teilte dem SPIEGEL mit, dass "die Kosten der Bürostühle sicherlich im oberen Bereich des Vertretbaren liegen". Weil sie vom zuständigen Wolfsburger Ortsvorstand beschlossen worden waren, sei dies aber nicht zu beanstanden gewesen. Der langjährige Kassierer der IG-Metall-Verwaltungsstelle Wolfsburg, Michael Semenow, wurde wegen anderer Vorwürfe von der Gewerkschaft fristlos entlassen. Semenow, der zuletzt als Geschäftsführer der IG Metall Servicegesellschaft in Frankfurt gearbeitet hatte, wehrt sich in einem Arbeitsgerichtsprozess gegen seine Entlassung. Er weist die Vorwürfe gegen sich zurück.