Schirin Ebadi sieht im Teheraner Freitagsgebet "historisches Ereignis"
Als "historisches Ereignis nicht nur für Iran, sondern für die ganze islamische Welt" wertet die iranische Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi den Aufmarsch der Reformbewegung zum Freitagsgebet in Teheran. "Auch die Parolen 'Tod China' und 'Tod Russland' waren wichtig", sagte Ebadi dem Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. "Die Bevölkerung hat durchschaut, wer auf der Seite des Regimes seit Jahrzehnten steht zwei Länder, die selbst massiv die Menschenrechte verletzen." Ebadi begrüßt auch die Predigt des Ex-Präsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, der sich seit der vom Vorwurf massiver Manipulationen überschatteten Präsidentenwahl am 12. Juni nicht mehr öffentlich geäußert hatte. "Rafsandschani hat Kritik geübt, aber nicht entschieden genug", sagte Ebadi. Eine Versöhnung zwischen Regime und Bevölkerung sieht die Friedensnobelpreisträgerin nur, "wenn die Führung den Willen des Volkes respektiert und nicht weiter mit Gewalt gegen die Reformbewegung vorgeht". Ebadi zum SPIEGEL: "Das System steckt in einer schweren Krise. Nur wenn die Regierung Vernunft zeigt und auf die Menschen zugeht, wird es eine Lösung des Konflikts geben. Andernfalls habe ich keinen Zweifel daran, dass die Proteste weitergehen."