Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt bundesweit gegen 480 Ärzte
Die Staatsanwaltschaft Aachen hat das Ermittlungsverfahren gegen das Pharmaunternehmen Trommsdorff erheblich ausgeweitet. Zu den vor einem Jahr gestarteten Verfahren gegen Manager und Außendienstler kommen inzwischen noch 480 Ermittlungsverfahren gegen Ärzte im ganzen Bundesgebiet dazu. "Ich kann nicht ausschließen, dass sich diese Zahl noch erheblich ausweitet", so der Leitende Oberstaatsanwalt Robert Deller. Die Ermittler werfen den Ärzten Betrug und Untreue zu Lasten der Krankenkassen vor. Sie hatten unter anderem an Anwendungsbeobachtungen (AWB) für Trommsdorff-Medikamente teilgenommen. In einem Formular konnten sie ankreuzen, welche Belohnung sie wollten: Für 5 Patienten gab es einen Flachbildschirm oder einen iPod, für 7 Patienten einen DVD-Recorder, für 12 Patienten einen Jura-Kaffee-Vollautomaten, für 14 Patienten das Navigationssystem TomTom Go, und für 18 Patienten konnten sie auswählen zwischen Laptop, Beamer oder Computer mit Drucker. Trommsdorff hatte den Ärzten die Artikel als Gegenleistung für die Teilnahme an AWB zwischen 2004 und 2007 angeboten. Bei AWB handelt es sich formal um Studien, die Nebenwirkungen einer Medikaments beobachten sollen. Sie stehen in zweifelhaftem Ruf, weil viele AWB vor allem dazu dienen, den Absatz anzukurbeln. Trommsdorff wollte gegenüber dem SPIEGEL nicht beantworten, wie viele Ärzte bundesweit derartige Elektrogeräte erhalten hatten. Das Unternehmen versicherte aber, "vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft Aachen" zu kooperieren. Die hat inzwischen die ersten zehn Verfahren gegen Außendienstler gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.