Bizarrer Streit um Kunstgüter
Deutsche Museen leisten sich seit 17 Jahren einen bizarren Streit mit den Nachfahren eines der Verschwörer vom 20. Juli 1944. Die Familie von Lehndorff, deren Vermögen nach dem gescheiterten Attentat vom NS-Regime eingezogen wurde, erhebt Ansprüche auf Kunstgüter in vier sächsischen Museen. Der Anwalt der Familie, der Berliner Restitutionsexperte Gerhard Brand, beklagt eine "Strategie des Mauerns und des Aussitzens" und sieht seine Mandantschaft einer "stillen Blockade" von öffentlichen Stellen ausgesetzt. Trotz zahlreicher Hinweise auf die Kunstgüter haben die von Lehndorffs seit 1992 keinerlei Gegenstände zurückbekommen. Betroffen sind die Kunstsammlungen Chemnitz und das nahe Museum Burg Kriebstein, die Kunstsammlungen Dresden und die Grassi Museen in Leipzig. In Chemnitz prüft Anwalt Brand inzwischen, ob ein Betrugsversuch durch die Sammlungen vorliegt. Die betroffenen Häuser geben juristische Schwierigkeiten als Grund für die lange Dauer des Verfahrens an. Heinrich Graf von Lehndorff stammte aus Steinort in Ostpreußen und war von den Verschwörern des 20. Juli als Verbindungsoffizier eingesetzt worden. Er wurde nach dem gescheiterten Attentat vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 4. September 1944 in Berlin hingerichtet.