Ägyptischer Schriftsteller kritisiert Bundesregierung
Der ägyptische Schriftsteller Alaa al-Aswani ("Der Jakubijan-Bau") hat im SPIEGEL seine Kritik an der deutschen Reaktion auf die Bluttat von Dresden bekräftigt. Dort hatte ein Russlanddeutscher die junge Ägypterin Marwa al-Schirbini im Gerichtssaal erstochen. Sein Motiv: Fremdenfeindlichkeit. Die Bundesregierung habe bei dieser Tragödie ihre Verantwortung nicht in angemessener Weise wahrgenommen. Sie habe "spät, zögerlich" und "nicht fair" reagiert, so Aswani zum SPIEGEL. Diese Halbherzigkeit sei von den Arabern als ein Fall von Rassismus empfunden worden. Deshalb seien die Protestdemonstrationen in der islamischen Welt verständlich. Zwar gebe es dabei Übertreibungen und Versuche, den Fall politisch und religiös auszunutzen. Aber die Enttäuschung über die deutsche Haltung sei begründet, gerade weil viele Araber so großen Respekt vor der Bundesrepublik und ihren demokratischen Institutionen hätten. Frustration sei immer dort anzutreffen, wo hohe Erwartungen geherrscht haben. "Ägypten ist kein Land der Gerechtigkeit, niemand kann das behaupten. Ihr seid doch unser Vorbild! Ihr seid ein demokratischer Rechtsstaat! Dann übt bitte auch Gerechtigkeit!" Ein anderes Modell für Demokratie und Menschenrechte als das westliche existiere nicht. "Wenn diese Frau in irgendeiner afrikanischen Diktatur ermordet worden wäre, wäre es nie zu solchen Demonstrationen gekommen." Trotzdem bleibt der Autor, der in seinen Werken stets für Humanität, Toleranz und Demokratie eintritt, zuversichtlich. Der Vorfall "wird unser Verhältnis nicht verändern Regierungen sind nicht für Kriminelle verantwortlich, aber sie sind verantwortlich für Recht und Gerechtigkeit."