Lüthje belastet Kohl - Ex-Kanzler soll die Unwahrheit gesagt haben
Der ehemalige Generalbevollmächtigte der CDU-Schatzmeisterei, Uwe Lüthje, hat Ex-Kanzler Helmut Kohl erneut schwer belastet. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet, hat Lüthje vergangene Woche in einer Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft Bonn Kohl bezichtigt, mehrfach die Unwahrheit gesagt zu haben. So habe der ehemalige Parteivorsitzende sehr wohl gewusst, dass in einem von der CDU gemieteten Safe bei der Schweizerischen Bankgesellschaft in Zürich auch das geheime Archiv der Bundesschatzmeisterei versteckt worden sei. Auch Kohls Angaben über das Ende der Geheimoperation in der Schweiz und Liechtenstein seien, so habe Lüthje ausgesagt, "mit Gewissheit nicht wahr."
Allein er, berichtet das Blatt unter Berufung auf die Vernehmung, habe mit Kohl zweimal darüber gesprochen. Im April oder Mai 1992 habe er Kohl detailliert über die Vernichtung der im Safe gelagerten Unterlagen informiert. Am Rande des CDU-Parteitags 1992 habe ihn der Kanzler dann noch einmal von sich aus "angesprochen", ob alle Abschlussarbeiten erledigt sind. Daraufhin, so Lüthje, habe er, ohne Einzelheiten zu nennen, dem Kanzler über die Verteilung des Restguthabens informiert. Dies sollen rund 1,5 Millionen Schweizer Franken gewesen sein.
In anderen Punkten, so der SPIEGEL, hat Lüthje die Aussage des Altkanzlers bestätigt. So könne es stimmen, dass Kohl nichts von dem System der Anderkonten bei der Hauck-Bank in Frankfurt gewusst habe. Er, so Lüthje, habe nach seiner Erinnerung jedenfalls nie mit Kohl darüber geredet: "Dazu bestand nun wirklich kein Anlass."
Aus der Vernehmung, so der SPIEGEL, ergibt sich aber auch, dass der Ex-Kanzler im Grundsatz informiert gewesen sein muss. Lüthje sagte aus, Kohl allein sei berechtigt gewesen, über die Schwarzgelder zu verfügen. Kohl habe ihm stets mündliche Anweisungen gegeben, wie das Geld zu verwenden sei. Er, Lüthje, habe diese Anordnungen dann - in handschriftlichen Vermerken - an den CDU-Finanzberater Horst Weyrauch weitergegeben. Wie das Nachrichtenmagazin weiter schreibt, hat Lüthje in der Vernehmung auch den ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler belastet. Auch dieser habe von dem Safe in der Schweiz und dessen Zweck gewusst. Gemeinsam mit Kohl habe Geißler ihn Mitte der achtziger Jahre gedrängt, den Safe-Inhalt verschwinden zu lassen. Geißler sagte dem SPIEGEL, er habe von dem Safe "gar nichts gewusst". Schon deshalb könne er sich an eine solche Auseinandersetzung mit Lüthje "nicht erinnern".