Laut Emnid-Umfrage Zweifel an Rau und Clement
Die Bürger in Nordrhein-Westfalen, wo im Mai ein neuer Landtag gewählt wird, beurteilen das Verhalten ihres SPD-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement und seines Vorgängers, des jetzigen Bundespräsidenten Johannes Rau, in der sogenannten "Flugaffäre" äußerst kritisch. Wie eine Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL ergab, meinen 50 Prozent der befragten NRW-Bürger, Rau habe "nicht genug zur Aufklärung" beigetragen. 47 Prozent sind der Ansicht, Clement sei "mit der Flugaffäre nicht richtig umgegangen". Nur jeweils eine Minderheit 26 Prozent bei Rau, 22 Prozent bei Clement - erklärte sich damit einverstanden, wie die beiden Politiker mit der Affäre umgingen; der Rest äußerte keine Meinung.
Dass die Westdeutsche Landesbank Mitgliedern der Düsseldorfer Landesregierung Flüge bezahlt oder zur Finanzierung von Geburtstagsfeiern beigetragen hat, finden lediglich 11 Prozent "in Ordnung"; 85 Prozent hingegen bewerten das Sponsoring durch die Bank als "nicht in Ordnung".
Gleichwohl gibt nur ein Prozent der Befragten an, die Flugaffäre in Nordrhein-Westfalen werde ihre persönliche Wahlentscheidung bei der anstehenden Landtagswahl beeinflussen. Die Finanzaffäre der CDU bestimmt hingegen 16 Prozent der NRW-Wähler in ihrem Votum, für 39 Prozent sind beide Affären für ihr Wahlverhalten maßgeblich.
Daraus erklärt sich wohl eine hohe Zahl von entschiedenen Nichtwählern (24 Prozent) beziehungsweise von Befragten, die keine Angabe über die Partei ihrer Wahl machen mochten (13 Prozent). Unter denen, die ihre Stimme abgeben wollen, ergab sich bei der "Sonntagsfrage" ("Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahlen wären ...") folgendes Bild: SPD 43 Prozent (gegenüber dem Wahlergebnis 1995: minus 3 Prozentpunkte), CDU 34 Prozent (3,7 Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren), Grüne 9 Prozent (minus 1). Der große Gewinner wäre, mit ebenfalls 9 Prozent, die FDP, die bei der letzten Landtagswahl an der 5-Prozent-Hürde scheiterte.
(Befragt wurden 1000 Personen.)