Ex-Stasi-Offizier sponsert Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin
Von einem früheren Stasi-Offizier wird der neue Hauptsponsor des Zweitliga-Aufsteigers 1. FC Union Berlin, dessen Anhänger zu DDR-Zeiten als regimekritisch galten, kontrolliert. Jürgen Czilinsky, Aufsichtsratschef der Firma International Sport Promotion (ISP), war von September 1982 an hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi- Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) und dort in der Abteilung IV eingesetzt, die für die Ausspähung militärischer Einrichtungen der Bundesrepublik zuständig war. Bislang hatte Czilinsky angegeben, vor der Wende im "DDR-Außenhandel" tätig gewesen zu sein. Stasi-Unterlagen belegen dagegen, dass der heute 51-Jährige in seiner Dienstzeit mindestens 26 operative Vorgänge betreute, darunter konspirative Objekte, potentielle Agentenanwärter und mehrere Inoffizielle Mitarbeiter, von denen eine (IM "Christine") im hessischen Gießen spionierte. Noch heute pflegt Czilinsky Kontakte zu alten Kreisen. In einer seiner Berliner Firmen, an der bis zum vergangenen Jahr auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther beteiligt war, firmiert laut Handelsregister ein ehemaliger HVA-Kollege Czilinskys als Co-Geschäftsführer. Czilinsky, der am vergangenen Freitag in der Republik Kongo unterwegs war, bestätigte dem SPIEGEL auf Anfrage seine frühere Arbeit für die HVA. Zu Fragen, die sich auf seine operative Arbeit bezogen, wollte er jedoch "keine Angaben" machen. Der millionenschwere Sponsoring-Deal zwischen ISP und Union Berlin hatte Ende Juni für Aufregung in der Fußballwelt gesorgt vor allem, weil bis heute unklar ist, wer die Geldgeber der ISP sind.