Schweizer Briefkastenfirma soll Kaufpreis für Wadan-Werften entrichten
Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew unterstützte Verkauf der insolventen Wadan-Werften in Wismar und Rostock an Witalij Jussufow ist womöglich ein windiger Deal. Denn Schiffbauaufträge, wie sie Berater des russischen Präsidenten in einem Papier bei den deutsch-russischen Konsultationen im Juli in München in Aussicht gestellt hatten, werden wohl nicht realisiert werden. Sieben Transportschiffe (Stückpreis: 80 Millionen Euro) und zwei Eisbrecher (Stückpreis: 95 Millionen Euro), so die Präsidentenberater, wolle der Edelmetallkonzern Norilsk Nickel in Mecklenburg-Vorpommern ordern. Doch ein Sprecher des Unternehmens dementiert: Die Neuformierung der Firmenflotte sei bereits seit Februar abgeschlossen. Auch Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow wies Meldungen aus dem Präsidenten-Umfeld zurück, die Gazprom- Tochter Gazflot plane Bestellungen beim neuen Besitzer der ehemaligen Wadan-Werften: "Wir haben nicht vor, unsere Flotte zu erweitern." Auch in anderen Punkten gibt es noch offene Fragen. Offizieller Käufer der Werften ist, nach Information des SPIEGEL und des Online-Nachrichtenportals MVregio, die "Gevor IV AG", eine Briefkastenfirma in der schweizerischen Steueroase Zug. Die Frage, wer hinter der unter der Adresse "c/o Treuhand von Flüe AG, Baarerstrasse 95, 6301 Zug" erreichbaren Aktiengesellschaft steht, beantwortete Jussufow in den Verhandlungen mit einem schlichten "Ich". Ebenso knapp war die Antwort des Sohnes von Gazprom-Aufsichtsrat Igor Jussufow auf die Frage, woher er die 40 Millionen Euro Kaufpreis nehmen wolle: "Eigenkapital". Doch allem Anschein nach fällt es Jussufow junior schwer, das Geld aufzutreiben. Sicher ist, dass Mitte vergangener Woche nachträglich einzelne Passagen des Kaufvertrags geändert wurden. Dazu passt, dass der Kreml nach Angaben von Moskauer Geschäftsleuten derweil Druck auf Oligarchen ausübt, Jussufow junior finanziell unter die Arme zu greifen. Aufträge zum Bau neuer Schiffe hat der 29-Jährige jedenfalls noch nicht. Schon in den Gesprächen zum Verkauf der Werften hatte er seine Verhandlungspartner mit einem freimütigen Geständnis verblüfft: "Warum soll ich denn schon akquirieren, bevor ich die Werften habe?"