Siemens-US-Chef Nolen tritt überraschend ab
Beim Münchner Siemens-Konzern sorgt ein Personalwechsel für interne Diskussionen. Ende voriger Woche trat der Top-Manager George Nolen überraschend ab. Er arbeitete 26 Jahre lang bei Siemens, zuletzt als Chef des USA-Geschäfts. Der gebürtige Amerikaner hatte die Betreuung der rund 70.000 US-Angestellten im Januar 2004 von seinem Vorgänger Klaus Kleinfeld übernommen, der wenig später an die Konzernspitze aufrückte. Obwohl Nolen seinem Arbeitgeber seither zweistellige Wachstumsraten bescherte und Zukäufe im Wert von 17 Milliarden Dollar tätigen durfte, wechselt der 53-Jährige nun Knall auf Fall in den Ruhestand zwölf Jahre vor Erreichen der sonst üblichen Altersgrenze. Bei einem hochrangigen Manager wie Nolen ist es üblich, dessen Verdienste öffentlich ausgiebig zu würdigen und zügig einen Nachfolger zu präsentieren. Da beides zunächst unterblieb, kursieren nun wilde Spekulationen über die wahren Hintergründe der Hauruckaktion. So wird vermutet, Nolen könnte in Ermittlungen der US-Behörden zur angeblich überteuerten Lieferung von Röntgengeräten an das Pentagon verwickelt sein. Ein Siemens- Sprecher bestreitet das vehement. Als wahrscheinlicher gilt deshalb, dass Nolen sich beruflich verändern will oder mit dem für das US-Geschäft zuständigen Vorstand Peter Solmssen aneinandergeriet. Der US-Bürger, im Hauptberuf oberster Anti-Korruptionsbeauftragter des Konzerns, soll den Siemens-US-Ableger nun zusätzlich zu seinem Vorstandsjob kommissarisch führen, bis ein Nachfolger gefunden ist.