Regierungsberater fordern Weltklimabank - DER SPIEGEL
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Regierungsberater fordern Weltklimabank

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Alle Industriestaaten müssen ihre Kohlendioxid-Emissionen viel radikaler reduzieren als bisher angenommen, wenn die Erderwärmung auf durchschnittlich zwei Grad Celsius begrenzt bleiben soll. Zu diesem Ergebnis kommen die wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen. Deutschland müsse demnach seine CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber heute halbieren und schon bis 2030 komplett einstellen, heißt es in einem Sondergutachten des Umweltrats WBGU zum Klima-Gipfel von Kopenhagen im Dezember. "Das Ergebnis ist so überraschend wie bestürzend", sagt der Ratsvorsitzende Hans Joachim Schellnhuber. Bisher plant die Bundesregierung deutlich geringere Reduktionen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass von heute bis 2050 der globale Gesamtausstoß von 750 Milliarden Tonnen CO2 nicht überschritten werden darf, um das Zwei-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent einzuhalten. Die Zwei- Grad-Begrenzung hatten die G-8-Staaten im Juli auf ihrem Gipfel in L'Aquila beschlossen. Die im Rahmen dieses Klimaziels verfügbare CO2-Menge haben die Regierungsberater bei ihren Berechnungen gleichmäßig auf alle Menschen verteilt. Dabei berufen sie sich auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die 2007 mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh die Forderung aufgestellt hatte, jeder Mensch habe beim CO2-Ausstoß aus fossilen Energiequellen ein Recht auf denselben Ressourcenverbrauch. Je nach Verbrauch von Öl, Kohle und Erdgas ergeben sich unterschiedliche Zeitbudgets: Das arme Bangladesch könnte seinen heutigen CO2-Ausstoß noch für 384 Jahre beibehalten, Indien für 88 Jahre, die Industriestaaten aber nur für wenige Jahre. Um doch höhere CO2-Mengen freisetzen zu dürfen, so die Experten, könnten die Industriestaaten künftig bei den ärmsten Ländern Emissionsrechte erwerben. Dazu müsse eine "Weltklimabank" eingerichtet werden. Der globale Emissionshandel werde zu durchschnittlichen Geldflüssen von 30 bis 90 Milliarden Euro pro Jahr führen und eröffne den ärmsten Ländern die Chance, eine umweltfreundliche wirtschaftliche Entwicklung zu finanzieren.