Widerstand gegen den Kauf von mehr Schweinegrippe-Impfstoff
Auf Länderebene formiert sich Widerstand gegen eine weitere Massenbestellung des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe, wie sie vom bundeseigenen Robert Koch-Institut (RKI) und dem für Impfstoffzulassung zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) geplant wird. Gegenüber dem SPIEGEL erklärte Hamburgs Gesundheitssenator Dietrich Wersich (CDU): "Wir sind der Meinung, dass die bereits bestellten Impfdosen für 30 Prozent der Bevölkerung ausreichend sind." Kritik an den Maßnahmen gegen die Schweinegrippe kommt auch aus Bremen. "Keiner will sich vorwerfen lassen, im Falle des Falles nichts getan zu haben", sagt Matthias Gruhl, Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik in Bremen, dem SPIEGEL. "Dieses Sicherheitsdenken ist aber teuer: Es kostet mehr als eine Milliarde Euro, die auch an anderer Stelle im Gesundheitswesen genutzt werden könnte." Gruhl kritisiert, RKI und PEI würden zu sehr Einfluss auf die Politik nehmen, um "noch mehr Impfstoffe und noch mehr Medikamente zu kaufen". Auch unter Virologen macht sich Nachdenklichkeit über die bislang eher schwach verlaufende Schweinegrippe-Pandemie breit. "Niemand hat damit gerechnet, dass diese Pandemie so milde verläuft", so Stefan Becker, Leiter des renommierten Instituts für Virologie der Universität Marburg, zum SPIEGEL. "Wahrscheinlich hätten wir früher gar nicht gemerkt, dass es zurzeit eine Pandemie gibt", sagt Virologe Becker. "Das ist in der Vergangenheit sicher häufiger passiert."