Buchmesse-Chef Boos weist Kritik zurück: China dürfe ins Programm "nicht reinreden" - DER SPIEGEL
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Buchmesse-Chef Boos weist Kritik zurück: China dürfe ins Programm "nicht reinreden"

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Es habe "Fehler bei der Absprache" für ein umstrittenes Symposium gegeben, prinzipiell aber sei die am 14. Oktober beginnende Frankfurter Buchmesse ein "Marktplatz der Freiheit", verteidigt sich Buchmesse-Direktor Juergen Boos, 48, im SPIEGEL- Interview gegen Vorwürfe, sein Haus sei im Vorfeld der Messe vor Zensurwünschen des diesjährigen Messe-Gastlandes China in die Knie gegangen. Mitte der Woche waren auf Intervention von chinesischen Offiziellen die beiden Autoren Dai Qing und Bei Ling von einem an diesem Wochenende angesetzten Symposium in Frankfurt ausgeladen worden, das die Buchmesse mit organisiert hatte. Der Eklat habe "große Aufmerksamkeit" auf eine Veranstaltung gelenkt, die sich mit Chinas Image in der Welt beschäftigen soll, behauptet Boos, "wir haben genau das erreicht, was wir erreichen wollten". Außerhalb des vom Gastland China verantworteten Programms biete die Buchmesse ein großes Forum, wo "viele kritische Stimmen" zu Wort kommen, sagt der Messe- Direktor. Es werde keinerlei Zugeständnisse an die Machthaber in Peking geben: "Wir reden dem Gastland nicht rein in seine Veranstaltungen, aber wir lassen uns auch nicht reinreden in unsere." Dass die Chinesen einigen kritischen Schriftstellern wie Yan Lianke die Reise nach Deutschland verweigern, "fällt letztlich auf das Gastland zurück", so Boos. Die Messe-Leitung setze aber auf Diplomatie: "Es ist immer die Frage, was wirksamer ist: öffentliche medienwirksame Gegenrede über China oder das Gespräch mit China." Die Buchmesse verstehe sich als Plattform, auf der man "über die kritischen Themen des Landes" sprechen wolle. Das Beispiel der Olympischen Spiele in Peking im vergangenen Jahr, das ahnen ließ, wie stur Chinas Machthaber in Fragen der Meinungsfreiheit trotz freundlicher Absichtserklärungen sein können, lässt Boos nicht gelten: "Die Buchmesse findet nicht in Peking statt. Würden wir uns von den Politikern eines Gastlandes reinreden lassen, könnten wir den Laden zumachen." Die Chinesen hätten von sich aus die Öffentlichkeit der Buchmesse gesucht, so der Messe-Chef, "und sie werden sie hier bekommen".