Telekom prüft 90.000 Seiten Akten
Die Deutsche Telekom AG lässt 90.000 Seiten Akten von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auf bisher unerkannte Verstöße ihrer Mitarbeiter prüfen. Die Akten hatte die Bonner Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Datenund Bespitzelungsaffäre des Konzerns im Jahr 2008 beschlagnahmt und vor einigen Wochen in Teilen an die Telekom zurückgegeben. Grund für die außergewöhnliche Aktion: Die neue Konzern-Spitze um Telekom-Chef René Obermann soll nicht noch einmal von der schmutzigen Vergangenheit des Konzerns eingeholt werden. Die Bonner Staatsanwaltschaft wird das seit nunmehr 16 Monaten laufende Ermittlungsverfahren voraussichtlich noch in diesem Jahr abschließen. Dabei muss wohl nicht nur der damalige Leiter der Telekom-Sonderermittlungstruppe Klaus Trzeschan mit einer Anklage rechnen. Auch Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und Ex- Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel geraten durch ein im Jahr 2005 von der Telekom in Auftrag gegebenes Gutachten weiter unter Druck. Eine externe Anwaltskanzlei war darin unter anderem zu dem Schluss gelangt, dass Telefonverbindungsdaten zum Aufspüren eines vermeintlichen Lecks im Telekom-Aufsichtsrat nicht verwertbar seien. Zumwinkel und Ricke beharren darauf, von illegalen Machenschaften nichts gewusst zu haben. Rechtsgutachten seien ihnen zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt gewesen.