Überhangmandate können Wahl entscheiden - DER SPIEGEL
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Überhangmandate können Wahl entscheiden

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mehrere Wahl- und Meinungsforscher gehen davon aus, dass bei der Bundestagswahl am 27. September erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Überhangmandate darüber entscheiden können, wer künftig die Regierung stellt. Der Friedrichshafener Politikprofessor Joachim Behnke hat in einer Erststimmen-Simulation auf der Basis aktueller Umfrageergebnisse errechnet, dass die CDU mit großer Wahrscheinlichkeit ein Rekordergebnis von etwa 20 Überhangmandaten erwarten kann, wenn die Wahl so ausgeht, wie die Demoskopen derzeit voraussagen. Selbst wenn die SPD noch bis auf fünf Prozentpunkte an die Union herankomme, könnten CDU und CSU noch mit ungefähr 17 Überhangmandaten rechnen. Gestützt werden diese Berechnungen von Wahlforschern wie Manfred Güllner, dem Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Güllner rechnet mit 14 bis 18 Überhangmandaten für die CDU. Richard Hilmer von Infratest dimap glaubt, die CDU könne nach aktueller Stimmungslage sogar noch mehr als die von Behnke berechneten 20 Überhangmandate bekommen. Union und FDP hätten nach diesem Szenario laut Hilmer auch dann noch eine Kanzlermehrheit, wenn sie etwa drei Prozent weniger Zweitstimmen erhielten als SPD, Grüne und Linke. Nach Ansicht des Chemnitzer Politikwissenschaftlers Eckhard Jesse hätte ein solches Ergebnis schwerwiegende Folgen für das politische System in Deutschland. Eine Regierung, die sich nur auf Überhangmandate stützen könne und nicht die Mehrheit der Wähler hinter sich habe, hätte "riesige Legitimationsprobleme", sagte Jesse dem SPIEGEL.