US-Außenminister James Baker musste sich gegen Kritiker der deutschen Wiedervereinigung aus dem Weißen Haus wehren
Bei der diplomatischen Vorbereitung der deutschen Wiedervereinigung musste der damalige US-Außenminister James Baker Widerstände im eigenen Lager überwinden. So standen die Zwei-plus-Vier-Gespräche der beiden deutschen Nachkriegsstaaten mit den vier Siegermächten Anfang 1990 auf der Kippe. In einem SPIEGELGespräch begründete Baker das mit "Spannungen" zwischen ihm und dem Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten George Bush, Brent Scowcroft, der gegen die Verhandlungen interveniert habe. "Einige Mitarbeiter von Scowcroft wollten den Zwei-plus-Vier-Prozess nicht", sagt Baker im SPIEGEL: "Ihnen ging alles zu schnell." Die Helfer des Sicherheitsberaters plädierten dafür, die beiden deutschen Staaten allein verhandeln zu lassen: Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs "sollten sich raushalten, das war deren Linie". Scowcroft habe sich damals darauf berufen, dass angeblich auch Kanzler Helmut Kohl Bedenken gegen den Zwei-plus-Vier-Prozess habe. "Dafür gab es keinerlei Anhaltspunkte. Helmut war an Bord", erzählt Baker. Als wichtige Voraussetzung für die Wiedervereinigung nennt Baker die Zusicherung Kohls, dass Deutschland "unter gar keinen Umständen Neutralität", sondern den Verbleib in der Nato anstrebe. "Das hat er uns verbindlich zugesichert", sagt Baker im SPIEGEL-Gespräch. Mit diesem Versprechen in der Tasche, so Baker, "gelang es uns auch, die skeptischen Franzosen und die widerwilligen Briten zu überzeugen".