Bundesregierung verschärft Ton im Streit um Opel-Standorte
In der Auseinandersetzung um die geplante Schließung des Opel-Werks in Antwerpen verschärft die Bundesregierung den Ton. In dem Entwurf eines Antwortschreibens an die EU-Kommission erklärt sie, dass "nach übereinstimmender Meinung der Standort wirtschaftlich nicht tragfähig ist". Mitte September hatte die Kommission der Bundesregierung einen kritischen Fragenkatalog zum Verkauf des Autoherstellers durch GM an Magna geschickt (SPIEGEL 40/2009). Dabei forderte Brüssel auch eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der belgischen Regierung, der Standort Antwerpen sei "aus ökonomischer Sicht effizienter als das Werk Bochum". In ihrer Antwort verweist die Bundesregierung darauf, dass neben dem Magna-Konzept auch die Pläne von General Motors und das abgelehnte Angebot des Finanzinvestors RHJI die Schließung von Antwerpen vorgesehen hätten. Nach den Daten des ursprünglichen Restrukturierungsplans von GM "ist Antwerpen derzeit das Werk mit der geringsten technischen Kapazitätsauslastung aller Opel- Standorte", heißt es weiter. Mit 2818 Dollar lägen die Herstellungskosten pro Fahrzeug dort fast 70 Dollar höher als in Bochum. Daher sei die Aussage, das belgische Werk sei effizienter, "nicht nachzuvollziehen". Zudem habe das Werk in Bochum "für den Markenauftritt von Opel erhebliche Bedeutung". So entfalle fast ein Viertel des westeuropäischen Absatzes auf Deutschland, dies sei das Fünffache der Verkäufe in Belgien. Die Schließung von "Opels geschichtsträchtigem Werk in Bochum" könnte zu Absatzeinbrüchen in Deutschland führen und hätte "extrem negative Auswirkungen für das gesamte Unternehmen". Das entsprechende Risiko sei in Belgien hingegen "sehr limitiert". Auch dem Vorwurf, als Gegenleistung für die deutschen Finanzhilfen würden Produktionsanteile vom spanischen Opel-Werk Saragossa an den Standort Eisenach verlegt, tritt die Regierung entgegen. Eine solche Verlegung sei "betriebswirtschaftlich gut nachvollziehbar". In Spanien seien die Lohnkosten in den letzten Jahren stark gestiegen, ebenso habe der Standort geografische Nachteile. Eisenach liege näher am Kernmarkt Mitteleuropa und den Zukunftsmärkten in Osteuropa. Wörtlich heißt es in dem Entwurf: "Spanien wird von Automobilexperten nicht mehr als zukunftsträchtiger Produktionsstandort erachtet." In der vergangenen Woche legte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihr Gutachten zu dem Deal im Finanz- und im Wirtschaftsministerium vor. Die von Magna in Auftrag gegebene Expertise kommt auf mehreren hundert Seiten zu dem Schluss, dass sich das Konzept NewOpel erfolgreich behaupten könne. Allerdings nur dann, wenn alle Annahmen einträfen, zum Beispiel auch die sehr optimistischen Absatzerwartungen auf dem russischen Markt. Das KPMG-Gutachten dient der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PWC) als Grundlage für die Entscheidung, ob Opel Staatshilfen bekommt. PWC arbeitet im Auftrag der Bundesregierung.