Staatsanwälte durchsuchen Arcandor-Zentrale
Im Fall Arcandor hat die Bochumer Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgedehnt. Zwei Staatsanwälte und vier Zivilbeamte präsentierten am Donnerstagmorgen vergangener Woche in der Hauptverwaltung des insolventen Handelskonzerns in Essen einen Beschluss des Amtsgerichts Bochum, wonach sämtliche elektronischen Daten auf Arcandor-Rechnern zu sichern seien. Dafür wurden auch die rund 2000 Beschäftigten der Zentrale aufgefordert, übers Wochenende ihre Dienst-Laptops abzugeben, damit auch diese Daten kopiert und an die Fahnder weitergegeben werden können. "Wir gehen der Frage nach, ob Verträge, wie sie abgeschlossen wurden, wirtschaftlich vertretbar waren", erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft die Aktion. Hintergrund ist offenbar das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen den ehemaligen Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff. Auch aufgrund mehrerer SPIEGEL-Artikel geht die Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen seit Mitte Juli der Frage nach, ob Middelhoff eine millionenschwere Schadensersatzklage gegen seinen Vermögensverwalter Josef Esch im Zusammenhang mit Karstadt-Immobiliengeschäften hätte anstrengen müssen. Middelhoff bestreitet das kategorisch. Offenbar interessieren sich die Ermittler darüber hinaus dafür, wie es überhaupt zu der Insolvenz des Handelsriesen kommen konnte. Die großflächige Sicherstellung von Daten jedenfalls deutet darauf hin, dass auch Insolvenzverschleppung nicht ausgeschlossen wird.