Hohe Zahl von Nichtwählern in armen Regionen
Nach einer Analyse des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist der Zusammenhang zwischen Armut und Politikverdrossenheit größer als bisher angenommen. Wie die Paritätische Forschungsstelle in Berlin herausfand, war die Zahl der Nichtwähler bei der Bundestagswahl Ende September "ohne Ausnahme" in jenen Regionen, Kommunen und Stadtteilen überdurchschnittlich hoch, wo besonders viele Menschen von Arbeitslosengeld oder niedrigen Löhnen leben müssen, berichtete Rudolf Martens, Leiter der Forschungsstelle. Es sei "ganz offensichtlich, dass sich gerade Langzeitarbeitslose in Deutschland keine Verbesserung ihrer sozialen Lage mehr erhoffen". So war in Sachsen-Anhalt, wo 22 Prozent der Menschen als arm gelten, die Zahl der Nichtwähler mit 41 Prozent am höchsten. Auch unter den westdeutschen Bundesländern ist das Land mit den anteilig meisten Einkommensschwachen vorn: In Bremen, wo die Armutsquote bei 19 Prozent liegt, gingen fast ein Drittel der Menschen nicht zur Wahl. Hoch war die Wahlbeteiligung dort, wo Gutverdienende wohnen, zum Beispiel in den Speckgürteln von Berlin, Stuttgart und München.