Siemens erwägt Nachlässe bei Schadensersatzforderungen gegen ehemalige Vorstände
Zumindest in einem Fall will der Siemens-Aufsichtsrat bei seinen Schadensersatzforderungen gegen ehemalige Vorstände offenbar Zugeständnisse machen: beim ehemals für die Kommunikationssparte zuständigen Ex-Zentralvorstand Thomas Ganswindt, 48. Vergangene Woche wurde bekannt, dass neben Siemens auch die Staatsanwaltschaft anhängige Verfahren gegen sieben ehemalige Top-Manager gegen Bußgelder von bis zu einer Million Euro zeitnah abschließen will. Doch bei einigen von ihnen, insbesondere bei Ganswindt, dürften die geforderten Summen kaum einzutreiben oder allenfalls durch eine massive Kürzung ihrer Betriebsrente aufzubringen sein. So gilt beispielsweise der frühere Zentralvorstand Johannes Feldmayer schon jetzt als finanziell klamm, weil er für die Geldstrafe und Anwaltskosten im Rahmen der AUB-Affäre einen deutlich sechsstelligen Betrag aufwenden musste. Ähnlich angespannt ist offenbar die Lage bei Ex-Hoffnungsträger Ganswindt. Er war erst Ende 2004 in den Zentralvorstand aufgerückt und hatte dort zuletzt 2,4 Millionen Euro pro Jahr verdient, soll aber nun allein an Siemens vier Millionen Euro erstatten. Selbst Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer trifft es härter, als es auf den ersten Blick scheint. Für ihn veranschlagt Siemens rund sechs Millionen Euro Schadensersatz und die Staatsanwaltschaft eine Million Euro Bußgeld. In seinem letzten Amtsjahr als Siemens-Chef 2004 brachte es Pierer zwar immerhin auf ein Einkommen von 4,6 Millionen Euro, davor lagen seine Bezüge allerdings deutlich darunter und weit entfernt von den Gehältern, die der Konzern neuerdings ausgewählten Vorstandsmitgliedern zahlt. So erhielt Siemens-Chef Peter Löscher im vergangenen Jahr fast zehn Millionen Euro.