Nach Frankreich entführter Arzt erneut im Krankenhaus
Der am 17. Oktober aus dem südbayerischen Scheidegg nach Frankreich verschleppte und dort inhaftierte Arzt Dieter Krombach wurde auf Drängen der Deutschen Botschaft erneut in die Krankenstation des Gefängnisses in Mulhouse verlegt. Das Auswärtige Amt in Berlin organisierte vergangene Woche zumindest eine konsularische Betreuung des 74-Jährigen, der nun medizinisch angemessen versorgt werde, wie es hieß. Am kommenden Dienstag wird in Paris über eine Haftbeschwerde Krombachs entschieden. Dass der Arzt nach Deutschland ausreisen darf, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Krombach war 1995 in Frankreich in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, weil er schuld sein soll am Tod seiner damals 15-jährigen Stieftochter Kalinka. Die deutsche Justiz hält die Tat aber nicht für beweisbar und verweigerte die Auslieferung. Kalinkas Vater André Bamberski hatte Krombach deswegen nach Frankreich verschleppen lassen. Auf eine Demarche der Berliner Diplomaten, in der die Rückführung Krombachs gefordert wurde, hat Paris offiziell nicht reagiert. Es wurde lediglich mitgeteilt, die Justiz sei auch in Frankreich unabhängig, somit könne kein politischer Einfluss auf die Haftentscheidung genommen werden. Einen Europäischen Haftbefehl der deutschen Justiz gegen Bamberski wegen der Entführung wird Frankreich wohl nicht vollstrecken. Wie sein Anwalt mitteilte, werde auch in Frankreich gegen seinen Mandanten ermittelt.