Schifffahrtsbranche droht Kollaps
Der Hamburger Senat sorgt sich um das Überleben von Banken und Emissionshäusern, die im Geschäft mit Schiffsfinanzierungen stark engagiert sind. "Einige stehen massiv unter Liquiditätsdruck oder sind bereits insolvenzgefährdet", heißt es in einer internen Vorlage der Behörde für Wirtschaft und Arbeit mit dem Titel "Aktuelle Situation im Bereich der Schiffsfinanzierer". Eine Arbeitsgruppe, koordiniert von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, erarbeitet derzeit einen nationalen Rettungsplan Schifffahrt. Der Hamburger Regierungschef Ole von Beust (CDU) soll diesen Plan Bundeskanzlerin Angela Merkel unterbreiten, "damit hier im Januar nicht die Lichter ausgehen", wie ein mit den Verhandlungen befasster Experte formuliert. Der "drastische Verfall" von Fracht- und Charterraten sowie Schiffspreisen bedrohe derzeit "alle, die direkt und indirekt mit dem Schiffbau in Verbindung stehen", so die Beamten in der Senatsvorlage: "Wenn die Schiffsfinanzierer ihre laufenden Finanzierungen in der Bilanz nach den aktuellen Marktwerten für Schiffe bewerten müssen, drohen weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe. Sogar die involvierten Banken könnten dadurch von der Insolvenz bedroht sein, wenn sie nicht mehr über die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geforderte Eigenkapitalquote verfügen." Besonders dramatisch ist die Lage bei der HSH Nordbank. Rund 30 Milliarden Euro hat die bereits schwer angeschlagene Bank in den vergangenen Jahren an Krediten zur Finanzierung von Schiffen vergeben. In ihrem jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht für das dritte Quartal hatte die HSH ihre Risikovorsorge vor allem für den Bereich Shipping von 0,9 Prozent (300 Millionen Euro) im ersten Quartal auf 5,2 Prozent (1,8 Milliarden Euro) erhöhen müssen. Im vierten Quartal dürfte der Abschreibungsbedarf, wie Vertreter der Bank im Rahmen der Gespräche mit der Wirtschaftsbehörde einräumten, auf 10 bis 15 Prozent (3,4 bis 5,1 Milliarden Euro) wachsen. Weil die Beamten fürchten, dass "grundlegende Strukturen zerstört werden" könnten, "die sich nur schwer wieder aufbauen ließen", soll die Arbeitsgruppe Konzepte zum Einsatz von Bürgschaftsprogrammen, Auffanggesellschaften und eine "Börse für Risikokapital" entwickeln. Als höchste Hürde auf dem Weg zu Staatshilfen gilt die Tatsache, dass die Reeder in den Jahren des Booms von umfangreichen Steuervergünstigungen profitiert haben und auf ihren Schiffen nur noch wenige Deutsche arbeiten.