Deutsche Bahn setzt auf Kohle- statt auf Öko-Strom
Trotz eines steigenden Anteils von Ökostrom werden die Züge der Deutschen Bahn weiter hauptsächlich mit Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken betrieben. So hat das Unternehmen, einer der größten Stromverbraucher Deutschlands, jüngst einen Großkundenvertrag mit den Betreibern des neuen Steinkohlekraftwerks in Mannheim abgeschlossen. Auch das umstrittene E.on-Kohlekraftwerk in Datteln soll langfristig erhebliche Mengen Bahnstrom liefern. Die Bahn rechtfertigt die neuen Kohleverträge damit, dass der Wirkungsgrad neuer Kohlekraftwerke deutlich höher sei als bei den bisher genutzten Anlagen. Pro Kilowattstunde Bahnstrom entstehe weniger Kohlendioxid. Zudem setzt das Unternehmen für die CO2-Bilanz darauf, dass das Kernkraftwerk Neckarwestheim 1 über 2010 hinaus fortbetrieben wird. Von dort bezog die Bahn 2008 rund 15 Prozent ihres Stroms, wodurch zwar Atommüll, aber kaum CO2 entstand. Kritiker im Unternehmen, Umweltverbände und die Grünen fordern eine gezielte Ausbaustrategie für Ökostrom, um die Bahn möglichst bald ausschließlich mit regenerativer Energie zu betreiben. Zwar ist die Bahn dem Auto beim CO2-Ausstoß deutlich überlegen, doch im Vergleich mit anderen europäischen Bahngesellschaften gehört sie zu den Schlusslichtern. Einer neuen Studie des TÜV zufolge kommen derzeit rund 21 Prozent des Bahnstroms aus erneuerbaren Energien, fünf Prozent mehr als bisher angegeben. 24 Prozent des Stroms stammten aus Atomkraft, 54 Prozent aus Kohle. Zwar will die Bahn bis 2050 "CO2-neutral" sein. Konkrete Ziele, wie schnell der Anteil von Ökostrom steigen soll, hat sich das Unternehmen Bahn bisher aber nicht gesetzt.