Nach Skandal um entwendete E-Mails: Deutsche Klimaforscher fordern Reformen bis in den Weltklimarat
Nach dem Skandal um über 1000 entwendete E-Mails an der britischen East Anglia Universität fordern deutsche Forscher Reformen in der Klimaforschung. "Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher", glaubt der Hamburger Klimatologe Hans von Storch und sagt zum SPIEGEL: "Wir brauchen grundlegende Reformen sowohl beim Weltklimarat aber auch in der Frage, wie wir mit den Rohdaten für unsere Klimastatistiken umgehen." Die E-Mails, unter anderen vom britischen Klimamodellierer Phil Jones und seinem Kollegen Michael Mann aus den USA, zeugten von einem Sittenverfall der Zunft, wo Kritiker bedrängt und deren Publikationen etwa aus dem Bericht des Weltklimarats herausgehalten werden sollten. "In Zukunft sollten Leitautoren des Weltklimarats nicht mehr zu den dominanten Forschern eines Gebietes gehören, die dann den eigenen Veröffentlichungen und jenen ihrer Kumpels eine besonders starke Deutungskraft zuerkennen." Der Kieler Meteorologe Mojib Latif wünscht sich einen besseren Zugang aller Forscher zu den Rohdaten, die den Klimamodellen zugrunde liegen: "Was wir brauchen, ist maximale Transparenz. Sonst werden uns die Vorwürfe der Klimaskeptiker ewig begleiten", sagte er. Unterdessen gab es auch Versuche, in das Computernetzwerk des Potsdam- Instituts für Klimafolgenforschung einzubrechen. "Seit den letzten drei Wochen registrieren wir eine Häufung von unautorisierten Einwahlversuchen", sagt dessen Systembetreuer Karsten Kramer dem SPIEGEL und vermutet, dass die Eindringlinge "Datendiebstahl oder Sabotage" im Schilde führten.