Angeklagter Schindler offenbar Opfer einer Verwechslung - DER SPIEGEL
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Angeklagter Schindler offenbar Opfer einer Verwechslung

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Der wegen "Beihilfe zum Mord" im Zusammenhang mit dem Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien 1975 angeklagte Rudolf Schindler ist möglicherweise das Opfer einer Verwechslung. Das schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der kommenden Ausgabe. Schindler, ein ehemaliges Mitglied der 1992 zerfallenen "Revolutionäre Zellen" (RZ), war im Oktober des vergangenen Jahres in Frankfurt festgenommen worden. Auf die Spur des 57-Jährigen waren die Ermittler durch Aussagen von Hans-Joachim Klein gekommen, der gemeinsam mit Schindler wegen des Anschlags angeklagt ist.

Klein war Mitglied des Kommandos unter Führung des legendären Terroristen "Carlos" alias Ilich Ramírez Sánchez, das den Überfall begangen hatte, bei dem drei Men-schen ermordet und elf weitere entführt worden waren. Bereits 1977 war Klein aus der Terror-Szene ausgestiegen. Im September 1998 wurde er nach fast zweieinhalb Jahrzehnten Flucht in Frankreich verhaftet und später in die Bundesrepublik ausgeliefert. In einer Vernehmung am 2. September 1999 soll Klein, laut Akten der Staatsanwaltschaft, Schindler "eindeutig und ohne jeden Zweifel" als jenes RZ-Mitglied identifiziert, das ihn für den Opec-Überfall rekrutiert habe, er sei und "von Beginn an" mit drei weiteren deutschen RZ-Mitgliedern "in die Aktion eingebunden" gewesen. Weiter heißt es: "Als Decknamen des Rudolf Schindler gibt er die Namen ,Max' und ,Sharif' an."

Nach Informationen des SPIEGEL befinden sich jedoch in den Unterlagen die zur Schindler-Anlage gehören zwei Aktenkomplexe, in denen diese Decknamen eindeutig einem anderen Mitglied der "Revolutionären Zellen" zugeordnet werden. Im "Operativvorgang Separat" des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, in dem es um die "Carlos"-Gruppe und ihre RZ-Querverbindungen geht, wird der damalige Vize-Chef der RZ, ein Mann namens G., als "Max" beziehungsweise "Sharif" bezeichnet. Dem entspricht eine Aussage G's in einem Verfahren der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den "Carlos"-Vertrauten Johannes Weinrich. G., der im Ausland lebt, hatte ausgesagt, er habe sich in seiner Zeit als RZ-Mitglied "abwechselnd" als "Sharif" oder "Max" ausgegeben.

Schindlers Verteidiger, der Frankfurter Rechtsanwalt Hans Wolfgang Euler, kritisierte gegenüber dem SPIEGEL: "Eine solche Form der Nicht-Vernehmung wie im Falle Klein, ohne einen ernsthaften Vorhalt von Widersprüchen, habe ich bislang noch nicht erlebt." Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt teilte am Freitag auf Anfrage des SPIEGEL mit, man gebe "nach Erhebung der Anklage generell keine Stellungnahmen mehr ab."