Berliner Konzernzentrale der Bahn zieht ins teure Sony-Center
Der neue Bahnchef Hartmut Mehdorn will ein Prestigevorhaben seines Vorgängers Johannes Ludewig nicht verwirklichen. Entgegen bisheriger Planung soll die Berliner Konzernzentrale nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL nicht in den künftigen Lehrter Bahnhof nahe dem Regierungsviertel einziehen. Ludewig hatte durch persönliche Änderungswünsche dazu beigetragen, dass sich die Arbeiten verzögerten und die geschätzten Kosten der Bahnhofs-Kathedrale um mehr als 60 Prozent auf etwa eine Milliarde Mark emporschnellten.
Jetzt will das Unternehmen seinen Hauptsitz aus einem tristen Plattenbauviertel im Osten Berlins an den Potsdamer Platz verlegen. Im Sommer diesen Jahres sollen die 800 Holding-Mitarbeiter ins höchste und teuerste Bürogebäude der Stadt, den 103 Meter hohen Glas-Turm des Sony-Centers, umziehen.
Für diesen Plan erhielt Mehdorn vergangene Woche die Zustimmung des Eigentümers der Bahn AG: Im Haushaltsausschuss des Bundestages erhoben die sonst knauserigen Abgeordneten keine Einwände, obwohl die notorisch klamme Bahn einen Mietpreis von rund 50 Mark pro Quadratmeter zahlen soll. Das entspricht einer Miete von monatlich mehr als einer Million Mark für rund 22000 Quadratmeter. Die Millionenmieten rechnen sich, glaubt die Bahn, weil sie mit der Top-Adresse Werbung machen könne, etwa im DB-Logo oder mit einem Großplakat an der Hochhausfront.