Todesfälle nach Pfefferspray-Einsatz Verdacht einer gefährlichen Wechselwirkung mit Drogen und Psychopharmaka
In Deutschland hat es im vergangenen halben Jahr mindestens drei Todesfälle nach dem Einsatz von Pfefferspray durch Polizisten gegeben, das berichtet das Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe. Zwei der Toten standen unter Drogen, der Dritte hatte kurz vor dem Pfefferspray-Einsatz ein starkes Beruhigungsmittel verabreicht bekommen. Diese Fälle scheinen den von Kritikern geäußerten Verdacht zu untermauern, dass Pfefferspray für Menschen, die unter Drogen oder Psychopharmaka stehen, tödlich wirken kann. Zwischen Capsaicin, dem Chili-Wirkstoff aus dem Pfefferspray, und Kokain könne es zu fatalen Wechselwirkungen kommen: Zu diesem Schluss kommt auch der Suchtmediziner John Mendelson vom California Pacific Medical Center in San Francisco nach Tierversuchen in einer neuen Studie. Mendelson hatte einer Gruppe von Mäusen Kokain verabreicht, eine andere Gruppe bekam zusätzlich noch Capsaicin. Es starben wesentlich mehr der Mäuse, die das Chili-Koks-Gemisch bekommen hatten. Im Kokainrausch war am 3. Juli ein 42-jähriger Mann in München nackt und blutüberströmt auf die Straße gerannt und hatte ein Fenster mit dem Kopf eingeschlagen. Polizisten setzten Pfefferspray ein, kurz darauf kollabierte der Mann und starb zwei Tage später. Am 31. Oktober starb ein Drogensüchtiger in Laucha in Sachsen-Anhalt: Auch er hatte nackt auf der Straße randaliert und zudem auf Passanten eingeschlagen. Er hörte auf zu atmen, kurz nachdem er Pfefferspray ins Gesicht bekommen hatte. In einem weiteren Fall starb ein psychisch kranker Mann aus einem Heim in Essen am 7. August. Er hatte von einer Notärztin ein Beruhigungsmittel gespritzt bekommen und griff trotzdem Pfleger an. Der 43-Jährige starb kurz nach einem Pfefferspray-Einsatz. Das Obduktionsergebnis stehe noch nicht fest, so die Staatsanwaltschaft Essen. Rechtsmediziner zögen häufig gar nicht in Betracht, dass das Chili-Spray möglicherweise zum Tod beitragen könne, so der Forensiker Fred Zack von der Universität Rostock, der vor zwei Jahren selbst einen ähnlichen Fall untersucht hat. Bei der Einführung des Pfeffersprays hatten Behörden sogar ausdrücklich den Einsatz gegen psychisch Kranke oder unter Drogen stehende Menschen empfohlen, berichtet DER SPIEGEL.