Konzernbetriebsrat der Bahn ließ nach internen Kritikern mit Hilfe der Konzernsicherheit fahnden
Neue Vorwürfe in der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn: Auch der Konzernbetriebsrat des Unternehmens bediente sich der Dienste der Konzernsicherheit, um anonyme Informanten zu enttarnen. Die hatten Korruption und andere Vergehen im Umfeld des Betriebsrates angeprangert und im Jahr 2002 die Revision auf illegale Praktiken aufmerksam gemacht. Im November 2006 erhielten Mitglieder des damaligen Konzernvorstandes, darunter auch Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, mehrere E-Mails, in denen Betriebsräten unter anderem persönliche Bereicherung vorgeworfen wurde. In beiden Fällen geschah offenbar wenig, um die Vorwürfe aufzuklären. Stattdessen machte sich die Konzersicherheit auf die Suche nach den anonymen E-Mail Schreibern. Sie sollen Ende November 2006 die Dienstrechner mitsamt des gesamten E-Mail-Verkehrs von drei möglichen Verdächtigen angezapft haben. Involviert in die Ausspähaktionen war nach dem SPIEGEL vorliegenden Dokumenten auch der heutige Konzernbetriebsratsvorsitzende Günter Kirchheim. Er soll die E-Mails über den Vorstand an die Konzernsicherheit weitergegeben haben. "Ob und welche Ergebnisse die Konzersicherheit zu Tage gefördert hat, haben wir nie erfahren", beteuert Kirchheim gegenüber dem SPIEGEL. Mit welch fragwürdigen Methoden die Konzernsicherheit arbeitete, wenn es darum ging, interne Kritiker zu enttarnen, zeigt auch ein Fall aus dem Jahr 2007. Auch hier spielte Betriebsratschef Kirchheim eine Rolle. Dabei geht es um den vertraulichen Revisionsbericht aus dem Jahr 2002, der von einem Unbekannten im März 2007 auf einem Treffen der Konzernbetriebsräte verteilt worden war. Kirchheim soll die Berichte eingesammelt und zwei Exemplare der Konzernsicherheit übergeben haben. Diese ließ daraufhin die Dokumente nach Fingerabdrücken untersuchen, konnte den möglichen Verteiler aber letztlich nicht ausfindig machen. Dass die Sicherheit die von ihm weitergeleiteten Exemplare auf Fingerabdrücke hin untersuchen ließen, habe er nicht gewusst, sagt Kirchheim. Mit den neuen Auswüchsen der Datenaffäre konfrontiert sagte Konzernchef Rüdiger Grube dem SPIEGEL: "Der neue DB-Vorstand hat unter meiner Führung weitreichende personelle und organisatorische Maßnahmen ergriffen, damit so etwas nicht mehr vorkommt."