Nato hielt Feldjägerbericht zu Kunduz-Bombardement für bedeutungslos
Neue Aussagen ziehen die Darstellung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu seinem Umgang mit der Kunduz-Affäre in Zweifel. Demnach hat das Untersuchungsteam der Nato den Bericht der deutschen Feldjäger zum Bombardement bei Kunduz für bedeutungslos gehalten und vernichtet. Das geht aus einer schriftlichen Stellungnahme hervor, die der Rechtsberater Björn Voigt am 2. Dezember 2009 für das Einsatzführungskommando der Bundeswehr verfasst hat. Guttenberg erklärt dagegen bis heute, der Feldjägerbericht habe den entscheidenden Ausschlag für seine Neubewertung des Bombardements auf entführte Tanklastzüge am 4. September gegeben. Nach Aussage von Rechtsberater Voigt, dem einzigen deutschen Mitglied des Teams, sei der Feldjägerbericht nach dem 3. Oktober durch einen Kurier an das Untersuchungsteam im Nato-Hauptquartier übergeben worden. Die Nato hatte es zur Überprüfung des Bombardements bei Kunduz eingesetzt, bei dem bis zu 142 Menschen starben. Im Auftrag des Vorsitzenden dieses Gremiums, Generalmajor Sullivan, sollte er den in Deutsch abgefassten Bericht daraufhin durchschauen, ob dieser "für die Nato-Untersuchungen von Interesse sein könne und neue Erkenntnisse enthalte". Dabei habe er festgestellt, "dass dort keine neuen Erkenntnisse enthalten waren, die zu diesem Zeitpunkt für das JIB (Joint Investigation Board Nato-Untersuchungsteam) noch von Interesse hätten sein können bzw. noch nicht bekannt waren", schreibt Voigt. Nach Guttenbergs Darstellung war der Feldjägerbericht jedoch so bedeutsam, dass er Ende November Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert zum Rücktritt zwang, weil sie ihm diesen Bericht nicht vorgelegt hatten. Darüber hinaus wertete Guttenberg den Luftschlag nach der Lektüre entgegen seiner vorherigen Einschätzung als nicht angemessen.