Bund der Vertriebenen verweigert Mittel zur Aufklärung seiner NS-Vergangenheit
Mitten im Streit um die Rolle seiner Präsidentin Erika Steinbach in der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" holt den Bund der Vertriebenen (BdV) die braune Vergangenheit seiner früheren Mitglieder ein: Der SPIEGEL hatte 2006 nach umfangreichen Archivrecherchen belegt, dass der Anteil an ehemaligen SSAngehörigen und Nazis im Führungspersonal der Vertriebenenverbände in den Nachkriegsjahrzehnten weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt lag. So zählte der langjährige Chef der Landsmannschaft Schlesien in Baden-Württemberg zu einem Kommando, das Tausende Juden ermordete. Steinbach lehnte Forderungen nach einer historischen Aufarbeitung der BdV-Geschichte zunächst ab ("Das kostet Geld, das wir nicht haben"), wandte sich dann aber an das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München. Dort liegt jetzt eine sogenannte Machbarkeitsstudie vor mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass eine Aufarbeitung möglich sei. Ob diese aber jemals geleistet wird, ist ungewiss. Denn die weitere Finanzierung des Projekts ist nach Auskunft des IfZ ungeklärt. Der BdV wird sich nach eigenen Angaben daran nicht beteiligen und hat auch bisher kein Geld zur Verfügung gestellt. Woher die Mittel für die Machbarkeitsstudie stammen, will IfZ-Direktor Horst Möller nicht preisgeben.