Gaststättenverband warnt vor Schutzgelderpressern
Diskotheken sind in Deutschland verstärkt Schutzgelderpressungen ausgesetzt. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in einem "Merkblatt zur Schutzgelderpressung" an seine Mitglieder appelliert, den Forderungen nicht nachzukommen: "Wer einmal zahlt, zahlt immer wieder und immer mehr", heisse es in dem Merkblatt.
"Wegen der hohen Bargeldumsätze am Wochenende sind Diskotheken besonders gefährdet", zitiert der SPIEGEL den Geschäftsführer der Dehoga-Fachabteilung Discotheken und Tanzbetriebe, Stephan Büttner. Häufig müssten Gastronomen "minderwertige Waren zu überhöhten Preisen" bei bestimmten Lieferanten einkaufen.
Im Dehoga-Merkblatt wird Erpressungsopfern geraten, "anonym über einen Rechtsanwalt Anzeige zu erstatten". Anderenfalls könnten Schutzgeld-Banden über ihre Advokaten an die Namen des Anzeigeerstatters kommen - mit möglicherweise fatalen Folgen. "Die Szene schreckt vor Gewalt bis zum Mord nicht zurück", zitiert das Nachrichten-Magazin den Dehoga-Experten Büttner.
Nach Darstellung des SPIEGEL sind zunehmend unseriöse Türsteher in Erpressung, Drogenhandel und Prostitution verwickelt. In der Branche kursiere nach Angaben von Ermittlern die Regel: "Wer die Tür hat, hat den Laden." Aber auch die Gäste rüsteten immer mehr auf. So komme es immer wieder zu brutalen Schlägereien, wenn bestimmten Gästen der Eintritt verwehrt werde.
Aggressionsfördernd wirke die Disko-Musik; nach Auffassung des hannoverschen Kriminologen Professor Christian Pfeiffer sind es häufig "Rhythmen, die früher benutzt wurden, um Männer kampfesmutig zu machen." Wer in dieser Atmosphäre ein Messer ziehe, um anderen Gästen zu imponieren, habe, so Pfeiffer, "nicht selten das Gefühl, auch zustechen zu müssen."