Karzai im SPIEGEL-Interview: "Die Deutschen haben ihre Sache gut gemacht"
Bei der Londoner Afghanistan-Konferenz habe der Westen sich dem Kurs der afghanischen Regierung angeschlossen, behauptet Präsident Hamid Karzai in einem SPIEGEL-Interview. Das Ergebnis der Konferenz fasste er mit den Worten zusammen: "Das Neue daran ist, dass die internationale Gemeinschaft endlich begreift, wie wichtig ein Aussöhnungsprogramm" mit den Taliban für das Land sei. Neu sei auch, "dass die Vereinigten Staaten, Europa und Japan ein solches Programm mittragen wollen". Erst jetzt habe der Westen erkannt, dass sich der Antiterrorkampf nicht gegen afghanische Dörfer richten dürfe, sondern gegen die "Rückzugsgebiete, die Trainingscamps, die finanziellen Unterstützer" der Terroristen. Karzai: "Hätten die Verbündeten das schon vor acht Jahren eingesehen, stünden wir heute besser da. Leider haben nicht alle auf uns gehört." Die neue Strategie des amerikanischen Oberbefehlshabers, General Stanley McChrystal, unterstützt Karzai vor allem, weil sie "dem Schutz von Zivilisten" diene. "Wenn wir uns an dieses Prinzip halten, werden wir Erfolg haben. Wenn nicht, ist ein Scheitern sicher." Großes Lob zollt Karzai den deutschen Truppen: "Sie haben ihre Sache gut gemacht." Dass auf deutschen Befehl hin bei der Bombardierung zweier Tanklastwagen auch afghanische Zivilisten getötet wurden, habe die Beziehung zu Deutschland nicht eingetrübt: "Keine andere Regierung hat sich so um die zivilen Opfer gekümmert wie die deutsche."