Stadtspitze erwog im Januar großräumige Evakuierung in Kölner Innenstadt wegen Sicherheitsbedenken beim U-Bahn-Bau - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Stadtspitze erwog im Januar großräumige Evakuierung in Kölner Innenstadt wegen Sicherheitsbedenken beim U-Bahn-Bau

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben Stadt, Feuerwehr und Verkehrsbetriebe in der Domstadt zeitweise die Evakuierung von Teilen der Innenstadt erwogen. Grund waren Informationen über neue Sicherheitsbedenken beim Bau der U-Bahn-Erweiterung, die die Kölner Staatsanwaltschaft laut internen Papieren am 26. Januar im Zuge der "Gefahrenabwehr" an das Management der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) weitergeleitet hatte. Die Stadtspitze ließ mit Fachleuten daraufhin laut einem Sitzungsprotokoll am 28. Januar großräumige Evakuierungen um den Waidmarkt vorbereiten. Der Notfallplan wurde nach weiteren Prüfungen durch Sachverständige fallengelassen. Ermittler gehen inzwischen dem Verdacht nach, dass Mess- und Statikdokumente für den Bau von Stützwänden nicht nur bei der U-Bahn-Baustelle am Waidmarkt, sondern auch am Rathaus und am Heumarkt manipuliert worden sein könnten. Sie stießen mehrfach auf identische Messprotokolle für verschiedene Abschnitte der Stahlbetonwände, der sogenannten Schlitzwand-Lamellen. Möglicherweise könnten einzelne dieser Stützwände nicht tief genug ins Erdreich eingebracht oder nicht ordnungsgemäß verankert worden sein. Interne Dokumente nähren zudem den Verdacht, dass notwendige Eisenverankerungen eingespart und an Schrotthändler verkauft wurden. Hanns W. Feigen, Anwalt der in einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) verbundenen Baufirmen, wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.