Paris unterstützt deutschen Zentralbank-Kandidaten Weber
Für Bundesbank-Chef Axel Weber sind die Chancen, im kommenden Jahr Präsident der Europäischen Zentralbank zu werden, deutlich gestiegen. Frankreich hat der Bundesregierung seine Unterstützung für Webers Kandidatur zugesagt. Neben dem Deutschen bewirbt sich noch der Chef der italienischen Notenbank, Mario Draghi, um die Nachfolge des im November 2011 ausscheidenden Franzosen Jean-Claude Trichet. Die Unterstützung Frankreichs gilt bei der Besetzung des Postens als entscheidend. Das Land wird in der Euro-Zone zur sogenannten Südschiene gezählt. Während der Norden Weber unterstützt, sind die südlichen Länder somit gespalten. Der EZB-Präsident gilt als einer der wichtigsten europäischen Posten. Deutschland war bei der Besetzung der neugeschaffenen Ämter des EU-Außenbeauftragten und des Ratspräsidenten leer ausgegangen. Die Ernennung Webers sei eine angemessene Kompensation, hieß es in europäischen Diplomatenkreisen. Neuer Vizepräsident der EZB wird im kommenden Mai voraussichtlich der portugiesische Notenbankchef Vitor Manuel Ribeiro Constâncio. In der EU ist es üblich, dass der Vizepräsident aus einem kleineren südlichen Land kommt, wenn der EU-Präsident aus einem großen Land des Nordens stammt. Dahinter verbirgt sich neben dem komplizierten Regionalproporz der Gemeinschaft auch ein geldpolitischer Streit. Während die nördlichen Länder für eine harte Linie in der Geldpolitik plädieren, nehmen die Repräsentanten des Südens traditionell eine großzügigere Haltung ein.