ING-Diba-Chef Tellings beklagt Zockermentalität seiner Branche
Als Konsequenz aus der Finanzkrise fordert Ben Tellings, Chef der Direktbank INGDiba, "eine Kombination aus schärferer Regulierung und Selbstdisziplin". Außerdem müsse man "das Investmentbanking vom großen Geldkreislauf abkoppeln. Nur so ließe sich verhindern, dass es die Welt wieder in eine so allumfassende Krise stürzen kann", sagte Tellings in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Er sei generell "total überrascht, dass so wenige zur Rechenschaft gezogen werden angesichts ihrer Verantwortung für die Krise". Außerdem würden "die alten gefährlichen Finanzprodukte schon wieder weltweit verkauft. Und schon wieder lassen sich viele Anleger Dinge andrehen, die sie gar nicht verstehen und brauchen."
Der Bankchef weiter: "Eigentlich sind wir Banker doch Treuhänder des Vermögens unserer Kunden. Stattdessen führen sich viele in meiner Branche auf wie Zocker, aber in einem ganz neuen Sinn: Denn sie müssen ja nicht haften, stecken gutes Geld ein und können im Prinzip nur gewinnen." Tellings ärgert sich: "Das Einzige, was auf dem Spiel steht, sind Integrität und Reputation. Doch deren Verlust scheint man man gern in Kauf zu nehmen." Tellings hat am Mittwoch angekündigt, an die Spitze des Aufsichtsrats der ING-Diba zu wechseln. Er wolle seine neue Rolle dort "sehr aktiv wahrnehmen". Der Finanzindustrie werde er aber "gerade in diesen schwierigen Zeiten sicher weiterhin verbunden bleiben".