Studie zur NS-Vergangenheit von Vertriebenenfunktionären soll zügig abgeschlossen werden
Berlin setzt das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) unter Druck, die Studie über die NSVergangenheit von Vertriebenenfunktionären zügig abzuschließen (SPIEGEL 8/2010). Das Bundesinnenministerium will das Projekt nur noch in diesem Jahr finanziell fördern, im Herbst 2010 erwartet es ein veröffentlichungsreifes Manuskript für eine Monografie. Auch der für das Vertriebenenzentrum zuständige Kulturstaatsminister Bernd Neumann ist an der baldigen Fertigstellung der Studie interessiert: Mitglieder im Stiftungsrat und im Wissenschaftlichen Beraterkreis der Vertriebenenstiftung Salomon Korn (Zentralrat der Juden), Raphael Gross (Fritz Bauer Institut) und nun auch Angelica Schwall-Düren (SPD) verlangen eine Klärung der braunen Historie. An diesem Montag wird der Stiftungsrat über dieses Thema sprechen. 2006 hatte der SPIEGEL enthüllt, dass weit überdurchschnittlich viele Vertriebenenfunktionäre im "Dritten Reich" NSDAP-Mitglieder oder SS-Angehörige gewesen waren. Das IfZ startete dar aufhin ein Forschungsprojekt. Eine erste Machbarkeitsstudie enhielt jedoch rechtfertigende Tendenzen. Der Historiker Michael Buddrus soll nun die Studie verfassen. Institutskollegen sprechen von einem "Himmelfahrtskommando". In den verbleibenden Monaten sei eine solide Ausarbeitung kaum zu schaffen.