China und USA hängen deutsche Tüftler ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

China und USA hängen deutsche Tüftler ab

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Land der Tüftler und Denker wird müde: Die Zahl der Patentanmeldungen in Deutschland stagniert seit Jahren, während andere Industrienationen wie China oder die USA rasant aufholen. 2009 seien in Deutschland 47859 Ideen von heimischen Erfindern beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet worden – drei Prozent weniger als im Vorjahr. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Zahlen sind vor allem im weltweiten Vergleich dramatisch: Im Jahr 2007 meldeten 160.000 chinesische Ingenieure global ihre Patente an, 30.000 mehr, als aus Deutschland kamen. Noch vor zehn Jahren übertrumpften die Deutschen die chinesische Konkurrenz um das Sechsfache. Für bedenklich hält das IW auch, dass die Patentanmeldungen hierzulande im Verhältnis zu den Forschungs- und Entwicklungsausgaben sinken – dass also zu viel Geld ineffizient eingesetzt wird. Zwischen 1997 und 2007 sind die Forschungs- und Entwicklungsausgaben um 60 Prozent auf umgerechnet 70 Milliarden Dollar gestiegen. Die Zahl der deutschen Patentanmeldungen ist in diesem Zeitraum nicht so stark gewachsen wie in den USA. Dort stiegen die Entwicklungsausgaben seit 1997 um 73 Prozent auf 369 Milliarden Dollar. In dieser Zeit hat sich die Zahl der Patentanmeldungen aus den USA mehr als verdoppelt, die deutschen stiegen nur um 47 Prozent. "Statt krampfhaft nach mehr Innovationen zu rufen", so das Urteil des IW, "könnte man auch einfach die vorhandenen Forschungs ergebnisse effizienter verwerten".