SPD fordert kriminaltechnische Untersuchung eines Briefes des langjährigen CDU-Schatzmeisters Prinz Wittgenstein - DER SPIEGEL
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SPD fordert kriminaltechnische Untersuchung eines Briefes des langjährigen CDU-Schatzmeisters Prinz Wittgenstein

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Finanzaffäre der hessischen CDU verlangt die SPD ein kriminaltechnisches Gutachten des Landeskriminalamtes, um ein Schreiben des langjährigen CDU-Schatzmeisters Casimir Prinz Wittgenstein zu prüfen. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, soll eine Analyse des sogenannten Einsickerbildes von Tintenspuren klären, wann der Brief verfasst wurde, in dem Wittgenstein auf Bitten des CDU-Landesvorsitzenden Roland Koch zwei Millionen Mark „für die anstehende Landtagswahl“ zur Verfügung stellt. Das Dokument ist auf den 6. Februar 1998 datiert. Die Wirtschaftsprüfer der hessischen CDU von der Saarbrücker Firma WUB gingen bei ihrem Testat davon aus, dass der Wittgenstein-Brief authentisch ist. „Wir hatten nicht den geringsten Anhaltspunkt, den Vorgang anzuzweifeln“, sagt WUB-Geschäftsführer Hans Joachim Jacobi.

Im Februar dieses Jahres erklärte Koch hingegen, das Schreiben, das mit handschriftlichen Vermerken („gedankt und angenommen“) versehen ist, sei mit seinem Einverständnis erst im Dezember 1999 verfasst und bewusst rückdatiert worden. So habe er verhindern wollen, dass „Geld dubioser Herkunft“ offiziell in der Parteikasse landet. Tatsächlich hatte der langjährige CDU-Finanzberater Horst Weyrauch am 6. August 1998 bei der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser ein Treuhandanderkonto eingerichtet, auf das in den Jahren 1998 und 1999 insgesamt 1,39 Millionen Mark Schwarzgeld aus der Schweiz flossen. Koch will davon nichts gewusst haben.

Weyrauch führt in einem Bericht für die Partei zu der Millionengabe aus: „Mit diesen Geldern wurden Lieferanten-Rechnungen gemäß Einzelnachweis beglichen.“ Offen ist, wer im Namen der CDU bei dem Millionen-Deal aktiv war. Wittgenstein amtierte seit Januar 1998 nicht mehr als Schatzmeister. Weder sein Nachfolger Wilhelm Küchler noch der im Januar 1998 gewählte Landeschef Koch wollen von dem Konto, von dem die zwei Millionen Mark abflossen, gewusst haben. Der damalige Landesgeschäftsführer Siegbert Seitz war jedoch laut CDU-Satzung nicht berechtigt, allein über die Annahme solcher Summen zu entscheiden. Die Opposition im hessischen Landtag vermutet nun, das angeblich im Nachhinein erfundene Darlehensschreiben könne doch echt sein, Koch mithin von der dubiosen Herkunft der Gelder gewusst haben.