Intellektuelle zweifeln am Sinn des Afghanistan-Krieges
Führende deutsche Intellektuelle bezweifeln nach der Serie tödlicher Angriffe auf deutsche Soldaten den Sinn des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. "Mit jedem toten deutschen Soldaten wächst die berechtigte Empörung über diesen Wahnsinn in Afghanistan, den wir bisher nicht einmal Krieg nennen durften", sagte Claus Peymann, Theaterintendant am Berliner Ensemble, dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Es gehe, so der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, gar nicht darum, in Afghanistan deutsche Interessen zu vertreten, sondern "eher um unser Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Die nehmen uns in die Zange. Die Frage ist, ob man einen Bruch mit denen riskieren will. Schröder hatte es ja getan in der Irak-Frage." Der Regisseur Volker Schlöndorff unterstützt die Mission: "Ich finde es richtig, dass deutsche Soldaten in Afghanistan sind." Der Sinn oder Unsinn des Einsatzes lasse sich "nicht daran messen, wie viele Tote es gibt". Der Schriftsteller Thomas Brussig sieht die Schwierigkeit in der Bewertung des Krieges darin, dass dessen Auswirkungen "wenig greifbar" seien. "Noch haben wir nicht das elektrisierende Ereignis, über das alle reden und das jeden zwingt, eine Meinung zum Afghanistan- Einsatz zu haben. Es gibt deutsche Opfer, und es gibt Verrohungstendenzen unter deutschen Soldaten, aber unterhalb der Schmerzgrenze. Wir geraten unmerklich in Zustände hinein, bei denen sich hinterher alle entsetzt fragen: Wieso haben wir da nicht früher reagiert?"