Ankläger fordern öffentlichen Prozess gegen Amokläufer von Ansbach - DER SPIEGEL
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Ankläger fordern öffentlichen Prozess gegen Amokläufer von Ansbach

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Staatsanwaltschaft Ansbach fordert, die Öffentlichkeit bei dem Verfahren gegen den Amokläufer Georg R. nicht auszuschließen. "Ein Prozess soll auch zur Verarbeitung einer solchen Tat beitragen. Die Öffentlichkeit hat daher ein Recht auf ein transparentes Verfahren", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Karl gegenüber dem SPIEGEL. Auf 86 Briefseiten auf R.s Computer fanden die Ermittler Hinweise auf das Motiv des Täters, der laut Gutachter an einer gravierenden schizoiden Persönlichkeitsstörung litt. R. trieb "Wut und Hass auf die Menschen". "Die ganze Schule soll bezahlen", schrieb der Gymnasiast. Er phantasierte aber auch über einen Anschlag in öffentlichen Einrichtungen, etwa in einem Kaufhaus. Den Tattag hatte R., weil er beim Basteln der Molotow-Cocktails auf technische Schwierigkeiten stieß, kurzfristig um einen Tag verschoben. Auf einem Kalenderblatt hatte er unter dem 16. September vermerkt: "Alles dringt nur schwer zu mir durch. Ist das das Schlafmittel, das doch noch wirkt? Kann mich kaum konzentrieren. Nehme nicht viel von dem wahr, was Menschen mir sagen. MUSS ES BEENDEN!" Den Ermittlungen zufolge ist es womöglich – wenn auch unbewusst und indirekt – dem Vater von Georg R. zu verdanken, dass es am Tattag keine Toten gab. Dieser war jahrzehntelang als Sportschütze in einem Verein aktiv gewesen. Seine Waffen und die Waffenbesitzkarte hatte der Frühpensionär, bei dem Georg R. zuletzt wohnte, jedoch bereits vor längerer Zeit zurückgegeben. Ob der Täter davon wusste oder nicht, ist bislang nicht abschließend geklärt. Fest steht auf jeden Fall, dass Georg R., der in seinen Briefen auch von schwerbewaffneten Amoktätern wie Robert Steinhäuser und Tim Kretschmer erzählte, für sich selbst keine Chance sah, an Schusswaffen zu gelangen. Am 17. September 2009 war der Schüler Georg R. mit Molotow-Cocktails und einem Beil bewaffnet an seinem Gymnasium in Ansbach Amok gelaufen. Dabei wurden mehrere Personen zum Teil schwer verletzt. Von diesem Donnerstag an muss sich der 19-Jährige unter anderem wegen versuchten Mordes in 47 Fällen vor Gericht verantworten.