Missbrauch Opferinitiative fordert Bischofsrücktritt
Wegen mangelnder Aufklärung in einem aktuellen Missbrauchsverdachtsfall im Bistum Aachen fordert die bundesweite "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen" den Rücktritt von Bischof Heinrich Mussinghoff. Bereits am 8. Januar dieses Jahres hätten die Eltern eines 19-Jährigen den Fall beim Personalchef des Bistums angezeigt. Danach sei nichts mehr geschehen, obwohl die vorgeworfenen Taten noch nicht verjährt seien. "Weil die Kirche trotz monatelanger Debatte über sexuellen Missbrauch ihren eigenen Versprechungen nicht nachgekommen ist, müssen die dafür Verantwortlichen zurücktreten", fordert der Sprecher der Initiative, Johannes Heibel. Erst durch die unabhängige nichtkirchliche Initiative ist es zu einer Strafanzeige bei der Krefelder Staatsanwaltschaft gekommen, die die Ermittlungen aufgenommen hat. Der Priester Georg K. soll den jungen Mann schon vom zehnten Lebensjahr an regelmäßig schwer missbraucht haben. Auch andere Kinder im Bistum Aachen sollen betroffen sein. Systematisch soll sich der Seelsorger das Vertrauen minderjähriger Jungen erschlichen haben, durch Geschenke, Alkohol und gemeinsamen Drogenkonsum. Als Zwölfjähriger, berichtet das Opfer, "hat Georg K. mich ins Pfarrhaus getragen, ins Bett gelegt. Erst hat er mich, dann sich komplett ausgezogen, sich auf mich gelegt und missbraucht". Der Computer des Pfarrers sei voller Pornos gewesen. Auch habe K. selbst Videoaufnahmen und Digitalfotos von sexuellen Handlungen gemacht. Das Opfer und seine Familie verstehen nicht, warum bis heute niemand vom Bistum wenigstens zu einem Gespräch mit ihnen gekommen ist. Das Bistum erklärte auf Nachfrage des SPIEGEL, angerufen habe ja nur der Vater. "Der Junge hätte sich als Opfer schon selbst bei uns melden müssen, nicht wir bei ihm." K. streitet die Vorwürfe ab.