Nürburgring - Landeskriminalamt warnte vor Kreditvermittlern
Das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt (LKA) hat im vergangenen Jahr vor mehreren Kreditvermittlern gewarnt, die ein undurchsichtiges privates Finanzierungsmodell beim Bau des mehr als 330 Millionen Euro teuren Freizeit- und Geschäftszentrums am Nürburgring angeboten haben. In einem vertraulichen Bericht hielt die Polizeibehörde fest, die damals im Auftrag der landeseigenen Nürburgring GmbH tätigen Vermittler könnten "keinerlei Referenzen" für die von ihnen angebotene Finanzierung vorlegen. Ihre Firmengruppe namens Pinebeck verfüge über "keine nachvollziehbare solide und sichere Finanzbasis". Die Konstruktion ihres Firmengeflechts könne "bis zur Nichtdurchsetzbarkeit von Schadenersatzforderungen führen".
Das Scheitern des privaten Finanzierungsmodells stürzte die Regierung von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) im vergangenen Sommer in eine tiefe Krise und führte zum Rücktritt des rheinland-pfälzischen Finanzministers Ingolf Deubel. Deubel hatte mehrfach die Überweisung von sechstellligen Honoraren und Aufwandsentschädigungen an die Vermittler gebilligt, obwohl diese nie greifbare Ergebnissse vorlegen konnten. Insgesamt kassierten die Vermittler mehr als 1,2 Millionen Euro. Zudem konnte sie nach Informationen des SPIEGEL hohe Restaurantspesen und Rechnungen von Luxushotels direkt über eine Kreditkarte der Nürburgring GmbH abrechnen.
Das LKA war vom rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch zu Recherchen über die umstrittenen Vermittler aufgefordert worden. Obwohl der Bericht bereits am 19. Mai 2009 vorlag, verteidigte Beck noch einen Monat später die angebotene Finanzierung als seriös. Ob Beck die Bedenken der Polizeibehörde im Detail kannte, ist bislang unklar.