Herbe Kritik an der Krebsbekämpfung in Deutschland - DER SPIEGEL
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Herbe Kritik an der Krebsbekämpfung in Deutschland

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Eine vernichtende Bilanz der Krebsbekämpfung zieht Lothar Weißbach, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Wir sind nicht darauf vorbereitet, dass Krebs in spätestens zehn Jahren die häufigste Todesursache sein wird", erklärt Weißbach. So seien die Vorsorge-Untersuchungen in Deutschland nicht auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand: "Früherkennung ist sehr teuer, aber nicht sehr effektiv."

Auch bei der Tumortherapie wirft er der Ärzteschaft Versagen vor: "Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Ärzten in Deutschland ist unzureichend und senkt die Heilungschancen der Patienten", kritisiert der Mediziner.

Weißbach tritt deshalb dafür ein, die 1979 gegründeten Tumorzentren durch flexiblere Einrichtungen zu ersetzen: "Die Tumorzentren haben sich überlebt - in der jetzigen Form sind diese unflexiblen Apparate ohne Zukunft." Auch fordert der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft ein Gütesiegel für Krebskliniken. Mit seinen provozierenden Thesen dürfte Weißbach auf dem Deutschen Krebskongreß, der kommenden Montag in Berlin beginnt, für Aufsehen sorgen. (DER SPIEGEL 12/2000, Seite 230)