Dummheit gewinnt an der Börse
Mit einer gehörigen Portion Unwissenheit lässt sich am Aktienmarkt besser Geld verdienen als mit Expertenwissen. Zu diesem Schluss kommt nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL Professor Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er und seine Kollegen haben auf dem Münchner Marienplatz und im Zentrum von Chicago mehrere hundert Passanten gefragt, welche von insgesamt 800 deutschen und amerikanischen Firmennamen sie schon einmal gehört haben. Nach ihrem Wiedererkennungsgrad gruppierten sie die Unternehmen in acht Portfolios.
Das Ergebnis: Die Passanten mit dem geringsten Wirtschaftswissen wählten die besten Aktien aus. Denn die Portfolios der zehn am häufigsten wieder erkannten deutschen und US-Werte schlugen nicht nur den Dax und den Dow-Jones, sondern auch die Vergleichs-Portfolios zweier Expertengruppen und die deutschen und amerikanischen Aktienfonds mit der jeweils höchsten Rendite. "In der Ignoranz kann Weisheit liegen", sagt Gigerenzer, der mit den "Tipps" der Passanten bereits viel Geld verdient hat. Denn auch am Aktienmarkt kaufen Anleger vor allem Firmen, von denen sie schon einmal gehört haben. (DER SPIEGEL 12/2000, Geld)