Rechte Ausfälle bei deutschen Burschenschaften
In der Deutschen Burschenschaft, einem Dachverband studentischer Verbindungen, ist ein Streit über die politische Ausrichtung ausgebrochen. In einem internen Rundschreiben wenden sich mehrere Stuttgarter Burschenschaften an die insgesamt rund 2000 studentischen sowie etwa 10000 alten Mitglieder und beklagen die unverhohlene Nähe zu rechtsextremistischen Positionen einiger aktiver Burschen. "Provokationen durch indirekt ausgedrückte Verehrung von Personen und Gedanken der nationalsozialistischen Zeit" sowie andere Streitpunkte hätten zu einer "gedanklichen Spaltung" der Deutschen Burschenschaft geführt, kritisieren die Burschenschaften Alemannia und Hilaritas und die "Vereinigung Alter Burschenschafter" Stuttgart. "Sticheleien zur Darstellung der eigenen Geisteshaltung" einiger Burschenvertreter "bewegten sich in Sprache und Auftreten geschickt entlang gerade noch nicht verbotener Grenzen". Hintergrund ist eine Auseinandersetzung um die Frage, wie sich die akademischen Vertreter zu Europa stellen sollen. Die drei Stuttgarter Vereinigungen hatten im vergangenen Jahr eine Erklärung zur Abstimmung gestellt, in der ein positiver Bezug zu Europa formuliert wird, waren damit aber gescheitert. Er sei "überrascht, dass es immer noch eine so starke extrem konservative Strömung" innerhalb der Deutschen Burschenschaft gebe, sagt der Initiator des Protestschreibens, Henning Roeder. Ende Mai, beim nächsten Burschentag, soll in Eisenach die leicht überarbeitete Erklärung wieder zur Abstimmung gestellt werden.