Roadmap für die Taliban
Der afghanische Staatschef Hamid Karzai will Frieden mit den Taliban machen. In Washington präsentierte er US-Präsident Barack Obama vergangene Woche einen Fahrplan, mit dem die Taliban-Führung seiner Ansicht nach gewonnen werden und ihre zahllosen Fußsoldaten wieder in die Gesellschaft integriert werden könnten. Laut dem 36-Seiten-Dokument, das dem SPIEGEL vorliegt, sollen die Führer des Aufstands freies Geleit ins Exil erhalten, wenn sie ihre Verbindungen zu al-Qaida kappen. Fußsoldaten gingen straffrei aus und würden vor Verfolgung geschützt, wenn sie die Waffen niederlegen.
Mit den Amerikanern ist sich Karzai jedoch noch uneins über den Zeitpunkt, wann direkte Gespräche mit der Führung aufgenommen werden sollen. Der Afghane hat es eilig, die US-Militärs wollen dagegen warten, bis die Taliban durch die angekündigte Offensive der Alliierten in Kandahar geschwächt sind.
Die Verhandlungen mit dem Aufstandsführer Gulbuddin Hekmatjar scheinen bereits konkreter. Eine Delegation der radikal-islamischen Hisb-i Islami hatte sich vor einigen Wochen in Kabul mit Karzai getroffen. Im Gespräch ist, dass der Kriegsfürst für einige Jahre nach Saudi-Arabien gehen und Hekmatjars Schwiegersohn Ghairat Baheer, der lange in US-Lagern inhaftiert war, in Karzais Kabinett einen wichtigen Ministerposten übernehmen könnte.