EM-Qualifikationsspiel des deutschen U-21-Teams in San Marino im November 2009 unter Manipulationsverdacht
Das EM-Qualifikationsspiel des deutschen U-21-Nationalteams in San Marino am 17. November vorigen Jahres steht unter Manipulationsverdacht. Der Schiedsrichter der Partie, die Deutschland 11:0 gewann und bei der auch die heutigen Nationalspieler und WM-Teilnehmer Holger Badstuber und Thomas Müller jeweils ein Tor erzielten, soll bestochen worden sein. Dies geht aus den Akten der Staatsanwaltschaft Bochum hervor, die seit über einem Jahr gegen eine Bande mut maßlicher Wettbetrüger im europäischen Fußball ermittelt. Demnach soll der ukrainische Schiedsrichter Igor Ischtschenko von dem Wettpaten Ante Sapina und dessen Kompagnon Marijo C. einen fünfstelligen Betrag erhalten haben, damit Deutschland mit "sechs, sieben oder mehr Toren" gewinnt. Sapina soll vor dem Spiel nach Kiew gereist sein, um das Bestechungsgeld an einen Mittelsmann Ischtschenkos, ebenfalls Uefa-Schiedsrichter, zu übergeben. Bei einem Telefonat zwischen Sapina und Marijo C. am 10. November um 0.17 Uhr, das die Bochumer Kripo abhörte, ist die Rede von 50000 Euro. Ischtschenko, der am 2. Dezember auf der Wache des Frankfurter Flughafens zweieinhalb Stunden als Beschuldigter vernommen wurde, bestritt den Vorwurf der Bestechlichkeit und betonte, er habe vom Schiedsrichterbeobachter eine "gute Benotung erhalten". Vom SPIEGEL zu den Vorwürfen befragt, wollte Sapinas Verteidiger Stefan Conen "keinen Kommentar zu den laufenden Ermittlungen" abgeben. Auch Marijo C.s Anwalt äußerte sich nicht. Mit den geplanten Live-Wetten auf einen Kantersieg der deutschen U-21 in San Marino hatte Sapina offenbar keinen Erfolg: Die Londoner Agentur, über die er 70.000 Euro auf dem asia tischen Wettmarkt platzieren wollte, nahm seinen Einsatz kurz nach Anpfiff des Spiels nicht an. Daraufhin schickte Sapina dem Mitarbeiter des Wettbüros eine SMS, in der er ihn übel beschimpfte. Die Ermittler schätzen, so steht es in den Akten, dass Sapina ein "Gewinn von ca. 120.000 Euro" entgangen sei.