Vize-Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom kritisiert Vorgehen der Staatsanwaltschaft bei Schnüffelaffäre - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Vize-Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom kritisiert Vorgehen der Staatsanwaltschaft bei Schnüffelaffäre

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der stellvertretende Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende und Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder glaubt nicht an die Unschuld der beiden ehemaligen Telekom-Spitzenmanager Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel. Im Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL sagte Schröder: "Es ist nicht sehr plausibel, dass Mitarbeiter aus dem mittleren Management aus eigenem Antrieb damit angefangen haben sollen, große Mengen Telefondatensätze auszuwerten, Aufsichtsräte, Gewerkschafter und Journalisten zu bespitzeln. Damit haben sie sich nicht nur strafbar gemacht und die eigene Karriere aufs Spiel gesetzt, sie haben einen ganzen Konzern in Verruf gebracht. Das macht auf der Ebene niemand, ohne sich abzusichern, also ohne klare Anweisung. Und die kann nach unserer Einschätzung wegen der Brisanz der Vergehen nur aus den Top-Etagen gekommen sein." Heftige Kritik übte Schröder an den Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft in der Telekom-Bespitzelungs- und Datenaffäre : "Alles, was wir bislang wissen und lesen, bestärkt den Verdacht, den wir von Anfang an in dem Fall hatten: Die Kleinen hängt man, und die Großen lässt man laufen. Das ist bitter und wird nicht dazu führen, das Vertrauen in den Rechtsstaat zu stärken. Aufarbeitung ohne Rücksicht auf Hierarchieebenen sähe jedenfalls anders aus." Zu den vielen Ungereimtheiten des Verfahrens, so Schröder, gehöre auch, dass die Opfer bis zum heutigen Tage keine Akteneinsicht bekommen hätten. Der Gewerkschafter kündigte weitere rechtliche Schritte an. "Wir wollen eine restlose Aufklärung des Falls", so Schröder, "und wir werden uns auch nicht mit einer Teilanklage zufriedengeben." Die Bonner Staatsanwaltschaft will in diesen Tagen die Ergebnisse ihrer zweijährigen Ermittlungsarbeit im Telekom-Bespitzelungs- und Datenskandal vorstellen. Die beiden prominenten Spitzenmanager Zumwinkel und Ricke dürften ungeschoren davonkommen.