Bahn-Chef Grube kritisiert Krisenmanagement seiner Mitarbeiter
Bahn-Chef Rüdiger Grube ist von den Problemen mit den Klimaanlagen in den ICE-2-Zügen völlig überrascht worden. Es habe, entgegen anderslautenden Berichten, vorher keine Probleme mit dem Bauteil gegeben, sagte er im Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Ich persönlich bin in diesen Tagen erstmalig überhaupt mit dem Thema konfrontiert worden dafür umso heftiger." Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn zeigte sich mit dem Krisenmanagement seiner Mitarbeiter unzufrieden. "Es sind anscheinend Fehler gemacht worden. Die Staatsanwaltschaft und auch wir untersuchen diese Fälle derzeit ganz genau. Und die Wahrheit muss auf den Tisch." Für solche Krisenfälle gebe es bei der Bahn genaue Handlungsanweisungen. "Es gibt klare Richtlinien, wie das Zugpersonal in solchen Fällen reagieren muss. Den Wagen schnellstmöglich zum Stillstand bringen und versuchen, die Klimaanlage wieder in Gang zu kriegen. Fällt sie total aus, nicht weiterfahren, sondern einen Ersatzzug organisieren. Leider hat das in den bekannten Fällen ein paar Mal nicht geklappt. Hier müssen wir besser werden keine Frage", sagte Grube. Der sofort eingerichtete Krisenstab habe wegen der Probleme bei den Klimaanlagen umgehend ein Bündel an Sofortmaßnahmen beschlossen. So habe man beispielsweise Getränkevorräte an Bord der Fernverkehrszüge massiv erhöht und zusätzliche Mitarbeiter an den Bahnhöfen und den Service Points für die Kundenbetreuung abgestellt. Zudem habe man das THW gebeten, "an zentralen Verkehrsknoten bereit zu stehen um uns, wenn nötig, direkt zu helfen auf Rechnung, versteht sich". Darüber hinaus habe man in dieser Woche beschlossen, einen Chief Quality Officer einzusetzen, um die Qualität im Konzern weiter zu verbessern. Der Bahn-Chef versprach alles daran zu setzen, die Klimaprobleme in den ICE so schnell wie möglich zu beseitigen. "Wenn ich sagen würde, es fällt diesen Sommer nie wieder eine Klimaanlage aus, dann würde ich lügen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir Tag und Nacht arbeiten werden, um die Probleme in den Griff zu kriegen." Bei Testfahrten habe sich gezeigt, dass es Möglichkeiten gebe, den begrenzten Temperatureinsatzbereich der Klimaanlagen weiter auszureizen. "Da gibt es möglicherweise technischen Spielraum, beispielsweise dass sich die Anlage erst später abschaltet." Mangelhafte Wartung sei jedenfalls nicht Ursache für die Probleme. "Das können Sie ausschließen." Im Regionalverkehr habe es unterdessen keine Probleme mit den Klimaanlagen gegeben. "Wir haben hier keine auffällige Schadenshäufung". Kritik übte Grube erneut an der Bahnindustrie. "Natürlich bin ich verärgert. Weil letztlich unsere Kunden und unsere Mitarbeiter die immer neu auftretenden Probleme bei den Zügen ausbaden müssen." Jede der bislang von der Industrie ausgelieferten Baureihen habe ihre Macken gehabt, sagte Grube. Gefragt ob die Industrie für die jetzt entstandenen Probleme mithaften müsse sagte er: "Darüber können wir reden, wenn wir die Probleme im Griff haben."